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INFOCENTRUM

Wie man mit bloβer Übersetzung des Namens sogar einen Räuber rauben kann

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Der Räuberhauptmann Wenzel Kummer aus Wiska (1767 – 1843), weder Deutscher noch Tscheche nach heutigem Begriff, sonder damaliger Böhme deutscher Muttersprache (er sprach sowohl tschechisch wie lausitzer sorbisch) ist eine reale historische Person.

Das deutsche Wort „Kummer“ bedeutet „Kummer/ Sorge“ und wird mit doppeltem m geschrieben. Ob dies die ursprüngliche Bedeutung ist, bleibt dahingestellt. Der Name war angeblich im Egerland häufig und zog sich hin bis Sachsen. Unweit der Burg Bösig gab es eine Ortschaft Kummer, und die nahegelegenen Höhenzüge hieβen Kummergebirge. Mögliche Zusammenhänge sind vorerst nicht belegt. Das Wiskaer Geschlecht der Kummer hat seinen Namen nie vertschechischt und seinen Kindern nie rein tschechische Vornamen gegeben. Aufgrund der heutigen Unwissenheit frühere Selbstverständlichkeiten betreffend ist es angebracht festzustellen, daβ der in Böhmen früher verbreitetste männliche Vorname, der lateinische „Wenceslaus“, deutsch „Wenzel“ und tschechisch „Václav“ heiβt.
Die Übersetzung des Vornamens und die Anpassung des Familiennamens an die tschechische Phonetik eines so tschechisierten Wenzel Kummer erschufen eine rein fiktive Person namens „Vaclav Kumr“. Eine solche Anpassung oder Übersetzung von Personennamen ist unzulässig (mit Ausnahme historischer Gröβen),spätestens seit offizieller Unterscheidung der „Nationalitäten“ in den böhmischen Kronländern nach 1919, denn sie führt notgedrungen zu Verwirrung, bis zur Vernebelung des realen Vorbilds, an dessen Wirklichkeit schlieβlich gezweifelt wird. Und das stellt nichts anderes dar als einen Diebstahl der Identität.
Einen Räuber namens „Václav Kumr“ hat es nie gegeben.

Der Spitzname „böhmischer Wenzel“ ist notwendigerweise auβerhalb Böhmens entstanden, wahrscheinlich während seiner „Wirkungszeit“ in der sächsischen Lausitz und wurde zu „Bimschwenz“ tschechisiert. Seine Übersetzung in „tschechischer Waschka“ ist genauso unzulässig wie jene in „Vaclav Kumr“, und genauso fiktiv. Sie macht aus ihm einen Tschechen der Ära nach 1848 im heutigen Sinne des Wortes.
Und damit kann freizügig verfahren werden: Anonyme populäre Schundromane haben diesen fiktiven „Václav und Vaschek“ aus dem böhmisch – sächsischen Grenzgebiet über den Brünner Spielberg – das österreichische Staatsgefängnis – und den legendären Abgrund Mazocha ins altertümliche Städtchen Blansko versetzt, wo er kurzerhand als dort geboren bezeichnet wurde. Niemanden hat dabei gestört, daβ ein geborener Mährer den Spitznamen „böhmischer Wenzel“ führt und niemand hat sich gewundert, daβ ausgerechnet ein sächsischer Autor über ihn einen Roman geschrieben hat. Hauptsache, Blansko hatte jetzt seinen bisher vermiβten Räuber, auch wenn es vorerst nur ein fiktiver nach dem Muster des Gitschiner „Rumzajs“ war. Da er aber mit sich die gesamte überlieferte Ausstattung des Originals führte, würde sich dieser Makel mit der Zeit schon verlieren. Der Begriff „fiktiv“ verwandelt sich nämlich unauffällig in „legendär“, und das heiβt schon fast „vielleicht sogar wahr“. Und dann unterscheidet man Wahrheit und Lüge nur noch schwer. Darauf aber kam es den Legendenschöpfern nach 1848 auch gar nicht an.

Wen aber nur die nachweisbare Wahrheit interessiert, der soll Legenden und anonyme Chroniken meiden und sich nur an die konkreten historischen Dokumente wie Pfarr – und Grundbücher oder ähnliches halten. Wenzel Kummer selbst hat sehr genau seinen Herkunftsort in den sächsischen Polizei – Protokollen mit „Gutswüste in Böhmen“ angeführt (Steckbriefe vom 26. 5. 1815 und 17. 10. 1815 im Bautzener damaligen Nachrichtenblatt). Dieser Ort ist zwar auf keiner Karte zu finden, wie der Dresdener Autor seiner Biografie Klaus Hoffmann – Reicker feststellt (nur auf deutsch im Internet unter dem Titel „Der Bischof und der Räuberhauptmann“). Es ist aber genau die Bezeichnung jenes Teils des Dörfchens Wiska, aus dem Wenzel Kummer stammt, der den Augustinern in Weiβwasser gehörte, nämlich in der Auffassung eines sächsischen Beamten, der die mundartlichen Worte „Gut Wiske“ (eben das Augustinergut in Wiska) einfach als „Gutswüste“ niederschrieb.

Vom in Wiska geborenen Wenzel Kummer existiert die Geburtseintragung auf lateinisch vom Jahre 1767, die Todeseintragung seiner Mutter Johana auf lateinisch vom Jahre 1772, mit Angabe der Hausnummer, wodurch das Geburtshaus bestimmt ist, die Todeseintragung des Vaters vom Jahre 1808 und seine eigene (beide auf deutsch) vom Jahre 1843 in Wiska (Wenzel Kummer starb an „Auszehrung“ d. h. Schwindsucht und ist auf dem Friedhof Kleinbösig begraben). Dazu kommt noch die Eintragung im Grundbuch vom Bau des Hauses Nr. 5/22 aus dem Jahre 1765 und die Liste aller damaligen Hauseigentümer von Wiska. Die Kopien aller dieser Dokumente sind im Wiskaer Museum zu sehen.

Vom angeblich gebürtigem Blansker Vaclav Kumr existiert natürlich überhaupt nichts. Er ist eine rein fiktive Fälschung. Aber sogar die Autorität eines Josef Panáček (1900 – 1973) der in seinem Buch „Karl Ignaz Macha im Land seines Mai“ (1970) zu dem Schluβ kommt, daβ weder Kummer noch ein Kumr aus Blansko gebürtig sind, sondern aus Wiska unterm Bösig, reichte nicht aus, um den „aus Blansko Stammenden“ zu liquidieren. Das Interesse an der Aufrechterhaltung der Legende war noch bis vor kurzem rege: Eine literarisch – theatralische Veranstaltung, die am 3. Februar 1971 im blansker Kulturklub der Firma ČKD stattfinden sollte, unter dem Titel „Gab es einen Václav Kumr oder nicht? Auf diese Frage, die besonders die ältere Generation der blansker Einwohnerschaft schon fast ein dreiviertel Jarhundert beschäftigt soll endlich eine richtungsweisende und kompetente Antwort gegeben werden. Die Besucher sehen und hören die dramatisierte Geschichte vom legendären blansker Räuber, Mörder und Brandstifte Vaclav Kumer, von seinem bewegten Leben, seinen Verbrechen und Liebschaften… und zum Schluβ die Aufklärung der Geheimnisse um Kumr aufgrund historischer Fakten durch den Autor der Veranstaltung Stanislav Kočvara“ (aus Vladimír Polák – Vaclav Kumr, Blansker Museumsheft 1998 s. 66 – 69). Sollte die Sache also endlich auf einen Nenner gebracht werden? Das haben wir leider nie erfahren, denn die Veranstaltung wurde von der Kommunistischen Partei verboten.
In der letzten Zeit ist es aber doch zu einer Einschränkung der Tradition des „aus Blansko stammenden Viskaer Räubers“ gekommen, wie die Antwort auf eine Anfrage aus dem Infozentrum im Schloβ Weiβwasser an Frau N., die diese Angelegenheit in Blansko „betreut“, beweist: „In meinen Vorträgen der blanskaer Legenden erwähne ich auch oft die über Vaclav Kumr als aus Blansko Stammendem, auch wenn diese Legende mit Blansko wahrscheinlich nicht viel gemeinsam hat, aber warum sollten sich die Leute nicht eine interessante Geschichte anhören, auch wenn daran von Wahrheit wirklich nur ganz wenig ist. Ich gehe dabei von vielen Quellen aus…“. Uns genügen die zwei hauptsächlichsten: die anonymen Schundromane „ Mutige Anführer der Wilddiebe, Schmuggler und Räuber aus dem böhmisch – sächsischen Grenzgebiet“ und „Der Gefangene vom Spielberg und die Schrecken dessen unterirdischer Verlieβe“, welche vom Jahre 1908 an der Prager Verleger Alois Hynek herausbrachte, den ersten in 96 Heften zu 2 344 Seiten, den zweiten in 114 Heften zu 2 736 Seiten (aus dem Internet – Artikel „Eva Nečasová: Die Legende vom blansker Räuber Vaclav Kumr“). Wirklich hervorragende Referenzen!

Im Unterschied zu Panáček, der zwar den Namen Kummer grundsätzlich in der tschechischen Form „Kumr“ handhabt, aber immer nur eine einzige Person meint, unterscheidet die Anfrage auf den Internetseiten der Nationalbibliothek vom 5. 6. 2013 „Der Räuber Vaclav Kumr/Kummer“ eindeutig zwei verschiedene Räuber: „ Ich erlaube mir, Sie um die Klärung der Personen zweier Räuber Nordböhmens zu bitten, des Václav (Wenzel) Kummer und des Václav Kumr. Der erste, genannt tschechischer Wenzel, war Deutscher, wirkte in Sachsen und starb im Jungbunzlauer Gefängnis. Der zweite stammte aus Wiska beim Bösig und überlebte seine Gefangenschaft auf dem Spielberg… In vielen Geschichten vermischen sie sich aber. Ist es irgendwie möglich, sie zu unterscheiden?“. Und da sind wir direkt bei der gestohlenen Identität und noch dazu mitten im Gulasch. In dieser Reihe von Sätzen ist aber auch kein Funken von Wahrheit!

Das ist aber nicht das einzige Unrecht, das dem seligen Wenzel Kummer angetan wurde.
Auch wenn sein Geburtseintrag (in Latein) klar auf einen ehelichen Sohn („Filius Legitimus“) von Eltern im normalen Zeugungsalter (geboren 1733 und 1734) hinweist, überliefert sich weiter der „Schmähname“ „Webers Wascha“, nach seinem angeblich wirklichen Vater namens Weber (ein solcher fand sich auf dem Berstein bei Dauba). Ein Weber ist aber auf tschechisch Tkadlec, Ausüber des Weberhandwerks, so daβ, wenn er überhaupt so genannt wurde, dieser Beiname vom Handwerk des Vaters herrühren könnte, um ihn von den anderen Kummers im Dorf zu unterscheiden. Ausdrücklich belegt ist das nicht, der alte Kummer wird in den Matrikeln als „Inquilinus“ (Einwohner) und Häusler bezeichnet. Von den späteren Eigentümern des Kummer – Geburtshauses sind der Schneider Ignaz Waschatko (1832 – 1906) und die Zimmerleute Johann Eichler (+ 1907) und Antonín Černý (+ 1950) überliefert. Einen „Häusler“ konnte ja nur schwer die alleinige Bewirtschaftung ernähren, da Grund und Boden nicht ausreichten.

Noch schlimmer sind allerdings die Verleumdungen seiner Eltern, insbesondere der Mutter. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Sensations – Erfindungen der ersten, sächsischen Kummer-Schundromane aus dem 19. Jarhundert. Das alles habe ich schon in den 90 – er Jahren in den Archiven nachgeprüft und in den „Brezowitzer Nachrichtchen“ vom November/Dezember 2007 veröffentlicht, im Artikel über die Enthüllung der Gedenktafel Wenzel Kummers an seinem Geburtshaus.
Es folgt dieser Artikel, weiter der Text der Informationstafel vor dem Dorf und der Bericht über die Einrichtung und Eröffnung des Kummermuseums – Muzeum Bimschwenz in Wiska unterm Bösig, im September 2017 an läβlich des 250. Jahrestags der Geburt des Räuberhauptmanns Wenzel Kummer.

Roland Heina, Víska
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